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Über Seilbahngenerationen treu

Mit dem Segen Gottes

Letzten Samstag wurde unsere neue 10er Kieserlbahn ihrer feierlichen Bestimmung übergeben. Und durch unseren Herrn Pfarrer eingeweiht, damit auch alles gut geht. Besonders das, was nicht mehr in unserer Hand liegt.

4 Seilbahngenerationen und Stammgäste die alle davon miterlebt haben

Diese Kieserlbahn ist nun die 4. Liftgeneration an diesem Standort im Bereich Roslehen. 1966 begann es hier mit einem Schlepplift, 1978 folgte dann ein Doppelsessellift, welcher 2006 wiederum durch eine 8er Kabinenbahn ersetzt wurde. Und jetzt – also am 22. Dezember 2023 – geht von hier aus die modernste 10er Kabinenbahn die der Weltmarktführer im Seilbahnbau Doppelmayr überhaupt herstellt weg; und führt über eine Mittelstation direkt auf den Berg. Dem „Kieserl“ auf 1.954 Meter Seehöhe. Wie die Seilbahntechnik selbst ist dieser Bergstationspunkt ebenfalls Weltklasse und bietet für die nächsten Jahrzehnte vielfältige Chancen für Winter und für Sommer. Diese Anlage muss jetzt auch länger halten als ihre Vorgängerin, die bei unserem Ski amadé Partner Forstau/Fageralm sinnvolle Wiederverwendung findet.

Wir haben nun auch gar nicht so wenige Gäste, die uns ebenfalls die 4 vorhin angeführten Seilbahngenerationen die Treue halten. So die Familie Pellinger-Hagenaars – nunmehr schon lange einquartiert bei Kendlbacher – die mir Gelegenheit gab über ihre Erlebnisse im Großarltal zu sprechen. Sie verbringen seit über 50 Jahren im Winter und im Sommer den Urlaub bei uns. Das erste Mal 1970 und das Ehepaar – er Deutscher, sie Niederländerin – hat sich in Großarl kennengelernt. Sie – die dann künftige Frau Pellinger sozusagen – ist ihm auf der Piste aufgefallen, ließ sich etwas bitten, war aber dann doch bereit sich am Abend im Postkeller der Alten Post bei Toni Knapp zu verabreden. Nur: ihr kam was dazwischen und sie erschien nicht pünktlich – wieder verging ein Jahr. Aber Weihnachten in Großarl gehörte für beide Familien dazu wie das Amen im Gebet. Aufenthaltsdauer damals stets 2 – 3 Wochen. Es war in dieser Zeit auch Standard, bei Lackner mit den ganzen einheimischen Haudegen als Skilehrer einen Skikurs für die jeweils erste Urlaubswoche zu buchen.  So sah man sich wieder und irgendwann klappte das mit der Beziehung dann schon, mittlerweile ist man seit einer Doppelsesselliftgeneration (siehe Erläuterung im 2. Absatz oben) verheiratet. Auch die Kinder sind schon wieder groß und setzen die seit über 5 Jahrzehnten eingebürgerte Familientradition des Urlaubs in Großarl konsequentest fort. Haben alle hier Skifahren gelernt. 

Schlepplift Hochbrand 1974 und dazu im Vergleich die nunmehr 4. Liftgeneration mit der 10er Kieserlbahn 2024

Von der Einfachheit der 1970er Jahre

Warum kam man Anfang der 70er überhaupt nach Großarl, das Skigebiet selbst stand da noch in der sehr frühen Entwicklung? Auffällig wurde Großarl in Büchern – die damals Pellinger sen. las – aufgrund des enormen Kinderreichtums des Großarltales („kinderreichstes Dorf Großdeutschlands“), 2stellig war lange die Norm.

Gewanded beim Skifahren war man in den Anfangszeiten auch noch etwas bescheidener. Cordhosen und Lederschuhe zum Schnüren waren gängiges Outfit. Herr Pellinger senior erschien zum Skikurs am Sammelplatz des Hochbrandlift bei Roslehen in blauem Mantel und Hut, was den damaligen Chef-Skilehrer Hans zu der Frage veranlasste, ob er Skilaufen wolle oder auf dem Weg zur Kirche sei? Dort wiederum – genauer gesagt bei der Großarler Weihnachtsmette – flog übrigens eines der Geschwister von Frau Pellinger-Hagenaars hinaus, hatte es doch einen Ministranten gekitzelt. Bei uns herrscht(e) halt noch Ordnung.

Die Erlebnisse des Skihanges

In so langer Zeit gibt es beim Skifahren natürlich unzählige prägende Erlebnisse. Man hat beispielsweise die sich täglich abspielenden kleinen Dramen in der oft bis mitten ins Roslehenfeld hinaufreichenden Anstellschlange des Hochbrandlifts miterlebt. Den einheimischen Wirtssohn beobachtet, für den es eine kleine Tracht Prügel gab, weil er sich vordrängelte. Meine Liftlerkollegen waren damals eingeteilt um für Ordnung in der Schlange zu sorgen. Und wenn sie nicht widerstehen konnten in selbstloser Weise einer hübschen Einheimischen in die endlose Reihe schlüpfen zu lassen, gabs immer wieder Skistöcke der anderen Verkehrsteilnehmer aufs Haupt. Helme kamen leider erst später.

Der Hauptgrund für so lange Großarltal-Treue? Etwas hat das mit Vertrautheit der Umgebung zu tun, etwas mit der schon unheimlich langen Familientradition. Mehr aber mit dem großartigen Qualitätsschub vom Schlepplift bis zur modernsten 10er Gondelbahn. Wobei es Familie Pellinger-Hagenaars gelernt hat auch mit der Vorgängertechnik umzugehen. Beim Sessellift musstest du beim Einsteigen immer Anlaufen um zu vermeiden, dass dir der Sessel wuchtig in die Kniekehle fährt und dich vielleicht sogar aus den Skiern hebt.  Beim Schlepplift Harbach in der Mittelstation gab es kurze Zeit lang einen automatischen Bügelgeber, der dem Liftler den Arbeitsalltag erleichtern sollte, musste er doch nicht mehr selbst Hand anlegen. Für nicht so wenige endete die Wegfahrt beim Lift durch die neue reißerische Technik mit einem Salto, wenn’s ganz schief ging vielleicht sogar mit einem Simultansalto beider Benützer. Für die im Anstellbereich wartenden Gäste eine nette Unterhaltung, für die Betroffenen selber eher nicht. Die doch zu wenig ausgereifte Technik kam wieder weg, technisch/emotional ausgereifterer Liftler wieder her. Ein weiteres Merkmal welches den Skiurlaub für unsere treuen Stammgäste besonders attraktiv  macht sind unsere bestens gepflegten Pisten. Und man vermerkt auch positiv, dass die gute Schneeanlage apere Stellen oder welche im Braunton – wie man es früher schon kannte – nicht mehr zulässt.

Auffallend ist auch, dass Skifahren viel sicherer geworden ist. Der Akja war anno dazumal deutlich öfter unterwegs. Auch Herr Pellinger selbst musste ihn einmal beanspruchen am „Bernhard-Pellinger-Gedächtnishang“ – für uns ist es die Piste Sennleitn 1. Naja, auch wenn man schon mehrere Jahrzehnte da ist sollte man vielleicht trotzdem die steilste Leitn den Einheimischen überlassen. Der Preis für den Mut könnten dann gerissene Bänder am Fuß sein, aber schon wieder alles längst verheilt!

Ein Urteil zur neuesten seilbahntechnischen Errungenschaft

Und das Kieserlprojekt qualifiziert Familie Pellinger-Hagenaars als für den Konsumenten sinnvolle Maßnahme, wirkt der Zuspitzung am Kreuzkogel entgegen und jedenfalls als sehr große Bereicherung.

Danke Familie Pellinger-Hagenaars, dass Sie uns schon so lange die Treue halten und an die vielen anderen, die das ebenso tun. Und alle die noch vor haben zu Stammgästen zu werden – wir würden das natürlich herzlichst begrüßen.

Hier Bilder von den Anfängen des Großarler Skigebietes bis in die Jetztzeit (Fotos: Bernhard Pellinger/Fam. Hagenaars/Gottfried Kendlbacher/Josef Gruber)

2 Antworten auf Über Seilbahngenerationen treu

  • Hallo Herr Gruber ,Familie Bergbahn etc..
    Der Bericht ist sehr interessant Auf 50 Jahre habe ich es noch nicht gebracht ,aber über 20 Jahre in Großarl/ Hotel Roslehen bei Cilli und Alois .Falls Sie sich erinnern ,kauften(Spende) wir einen Doppelsessel. Ich vermute ,den hat nicht jeder in seinem Partykeller.:-) Es hat sich sehr viel zum Positiven geändert .Pisten wurden sicherer (oberhalb der Alpentaverne) Gestein wurde abgetragen am Kreuzkogl ,viel Aufwand mit einer super Erleichterung. Immer super präpariete Pisten.Hatte das Glück ,durch die Hochbrändchen im Bully mit zu fahren.Deshalb habe ich besonders die Arbeit eines Pistenfahrers zu schätzen gelernt (Hochachtung) ihr merkt ich liebe Großarl…:-)
    Eine persönliche Meinung möchte ich noch loswerden:
    ich weiß es hat nichts mit den Bergbahnen zu tun ,aber…..
    das Gastronomische Angebot am Berg ,war früher vielseitiger .Heute gibt es nur noch eine Großfamilie mit vielen Hütten und ” Gott sei Dank” 2-3 kleine Familiengastronomen (auf Großarler Seite) bei denen ich mich immer noch sehr wohl fühle.
    Ich denke ohne Namen ist O.K……Dauergäste werden es verstehen.
    Fazit : Meine Kinder haben hier Schifahren gelernt ,für Jung und Alt eine Top-Adresse im Salzburger-Land.
    Euer Borzler Klaus….wir sehen uns im Jänner 🙂

  • Mit der Kieserlbahn ist Grossarl bestimmt für längere Zeit auf der gewonnenen Seite. Nur, ob der Klimawandel auch in Zukunft den nötigen Schnee garantieren kann ist ungewiss.

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