Über dem Kopf 12,5 Tonnen und noch immer souverän: Kaspar, Werkstattleiter
Es trifft sich gut, dass der Namenstag des Kaspar sich am morgigen Dreikönigstag wieder jährt. Das baut mir nämlich eine schöne Brücke zu einem Arbeitskollegen mit demselben königlich-edlen Namen, der mit dem Jahresende 2025 nach 38jähriger Tätigkeit in unserem Seilbahnunternehmen in den Ruhestand gewechselt ist. Langjährige Mitarbeiter sind ein besonderes Kapital – über das wir noch immer gut verfügen – und spricht wohl auch für das Unternehmen Großarler Bergbahnen („Lift“).






Aber nun zum eigentlichen Berichtszweck. Unser Kaspar ist im Jahr 1987 ins Unternehmen eingetreten. An einem der ersten Tage war die Liftler-Weihnachtsfeier. Die Darbietung dort hat ihn inhaltlich so beeindruckt, dass er gleich gewusst hat in diesem Betrieb ist er richtig. Die ersten 6 Wintersaisonen verbrachte er dann auf dem Pistengerät bei der Pistenpräparierung. Beobachter der Szene berichten davon, dass das Pistengeräteteam damals durchaus den Skihütten etwas zugeneigt gewesen wäre. Der tiefere Sinn dahinter lässt sich, abgesehen von gelegentlichem Hungerbedürfnis, mit maximaler Verkürzung der Reaktionszeit bei hereinbrechenden Schneefall nur erahnen. Kaspar wechselte dann 1993 in eine Ganzjahresanstellung und wurde kraft seiner Ausbildung und bei der Präparierung gewonnenen Erfahrung der Pistengerätewerkstatt zugeteilt, die er fortan auch leitete. Kaspar ist einer der bei uns meist im Hintergrund arbeiten muss (wenn er nicht einmal doch an der Seilbahn steht, denn ausgebildeter „Maschinist“ ist er auch), aber nicht weil er nicht zum Herzeigen täte. Wenn man ihm einmal auf der Piste begegnet, dann möglicherweise nur aufgrund des Umstandes, dass irgendwo in der Prärie ein Pistengerät liegengeblieben ist. Hier ist die gelegentliche Härte der Tätigkeit dann auch am Besten verspürbar. Meist kriecht man – eingehüllt in einen dicken Arbeitsoverall – einmal unter das Gerät hinein. Freiraum zwischen Boden und Maschine sind max. 30 – 40 cm, selbst den muss man sich teilweise noch erkämpfen (freischaufeln). Das Wort Platzangst darf man bei dieser Arbeit nicht kennen. Der Untergrund in diesen Situationen ist üblicherweise die schneebedeckte Piste. Es ist uneben, rutschig, steil und was man sich halt sonst noch nicht so wünscht. Die Umgebungstemperatur oft im tiefen Minusbereich. Dann wird unter dem 12,5-Tonnen-Gefährt einmal gewerkelt, an der richtigen Schraube gedreht, im Irrtumsfall rinnen dann einem auch verschiedene Flüssigkeiten über den Kopf, aber das ist ein notwendiger Teil des Lernprozesses. Richtig nette Arbeitsbedingungen findet man hier im Feld vor, aber auch ziemlich alternativenlos.
In der Werkstatt ist es dann besser, die ist gut ausgestattet mit Gruben, Bühnen und sogar Heizung. Neben dem Kaspar sind hier der Alois (nun Werkstattleiter ab 1. Jänner), der Tom und der Chrisei am Arbeiten. Alles Experten. Und ein zweiter Alois – sonst am Lift – ist mit seinem ebenfalls jahrzehntelangen Wissen eiserne Reserve. 12 Pistengeräte, 5 Skidoos, 2 Quad‘s, 12 Autos, 1 Teleskoplader und viele verschiedene Maschinen – über die eine Seilbahngesellschaft verfügt – sind so Hauptbetätigungsfeld und werden mit höchster Präzision betreut. Hin ist bei so einer Fuhrparkfülle immer was. Zudem werden auch noch diverse Schlosserarbeiten erledigt. Spannend und mit Überraschungen gepflastert ist jeder Tag, aber auch voller Erfüllung wenn man die Herausforderungen – in einer harmonischen Mannschaft eingebettet – entsprechend erledigen kann.
Die Maschinen entwickeln sich ständig weiter und so ist das Werkstattteam auch immer am Lernen. Im Jahr 2013 erhielten wir unser 1. Pistengerät mit einer aus ökologischer Sicht sehr wertvollen technischen Weiterentwicklung, nämlich einer Abgasnachbehandlung. Anscheinend (!) kommt hier beim Auspuff die Luft fast sauberer heraus als sie eingesaugt wird. Kaspar und ich haben damals dazu ein Video gedreht, das wir hier noch einmal zum Besten geben (Link: https://www.blogarchiv.at/2013/11/18/die-luft-verlasst-den-motor-sauberer-als-sie-angesaugt-wird/). Sie werden merken: der Film ist ziemlich zeitlos, insbesondere weil wir beide uns nur unmerklichst verändert haben. Kaspar fast noch weniger als ich. Lift hält auch jung. Übrigens ist unser gesamter Fuhrpark nunmehr längst auf diesen hohen Umweltstandard umgestellt.
Der Kaspar hatte – in seiner sich allen technischen und organisatorischen Problemen furchtlos stellenden Art – über mehrere Jahrzehnte die Werkstattleitung über. Fachlich gesehen ist er infolge seiner abgeschlossenen Lehre als Landmaschinenmechaniker und die Erfahrung die er bei unserem Seilbahnunternehmen über die Jahre sammeln konnte in die Kategorie „Vollprofi“ einzuordnen. Wenn der Hut brannte war er auch zuverlässig da, obwohl er eigentlich als „frei“ eingeteilt war – immer hochgradigste Opferbereitschaft im Sinne des Unternehmens.
In Bezug auf seine persönlichen Eigenschaften gibt es kaum etwas auszusetzen. Rundum guter Charakter halt. Lediglich seine kaum leserliche Handschrift – man bezeichnet in unseren Breiten so was als „Klaue“ bzw. Steigerungsform „Sauklaue“ – fällt seinen Kollegen – wenn man sie nach negativen an Kaspar fragt – als erwähnenswert ein. Aber das hätte bereits in der Schule den Puls seiner Lehrer in die Höhe getrieben. Kaspar ist mit viel Empathie sowie dem rechten Maß an Humor ausgestattet und ein sehr geschätzter Arbeitskollege. Weiters sagt man ihm nach, dass er auch nicht der Erste sei der davonläuft wenn es gesellig zugeht.
Nun kann er sich mehr seiner Profession als Bergbauer aus Leidenschaft im hinteren Ellmautal hingeben. Wir bleiben aber trotzdem weiterhin – in jenem Ausmaß das der Gesetzgeber im Ruhestand zulässt – noch verbunden. So ganz ohne Lift hält man’s nach so vielen Jahren doch nicht aus. Kaspar: alles gut und richtig gemacht. War‘st eine Wahnsinns-Bereicherung für unser Unternehmen. Einfach danke!

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